Salzburg: Breite Mehrzweckstreifen erhöhen Sicherheit für Radler

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Mehr Sicherheit
Foto: Stadt Salzburg / J. Knoll
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Breitere Mehrzweckstreifen in der Neutorstraße
Foto: Stadt Salzburg / J. Knoll
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Stadrat Joahnn Padutsch
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12 Nov 18:00 2018 von Redaktion Salzburg Print This Article

Padutsch: Pilotprojekt in der Neutorstraße für innovative Lösungen

Was tun an Straßen, die so eng sind, dass der oft schmale Radweg nicht ausgebaut werden kann und wo dennoch mehr Platz für Radfahrer*innen geschaffen werden soll? Mit dieser Frage hat sich die Stadt Salzburg in einem Pilotprojekt in der Neutorstraße wissenschaftlich und praktisch befasst: Unter der Federführung von con.sens verkehrsplanung zt gmbh in Kooperation mit dem Urbanen Mobilitätslabor Salzburg und der Universität Salzburg (Z_GIS) wurde und wird geprüft, wie in solchen Straßen die Sicherheit der Radfahrenden spürbar erhöht werden kann.

„Der Radverkehrsanteil in der Stadt soll weiter steigen. Um das zu erreichen, brauchen wir jeweils spezifische Lösungen, um die richtigen Maßnahmen zu treffen. Gerade dort, wo ein baulich getrennter Radweg nicht möglich ist, braucht es innovative Ideen, die wir nun intensiv testen und dann umsetzen werden“, so Stadtrat Johann Padutsch.

Die Neutorstraße wurde ausgewählt, weil sie beengte Verhältnisse und ein hohes Verkehrsaufkommen sowohl im Radverkehr, als auch im Kfz-Verkehr aufweist. Der ursprünglich 1,30 Meter breite Mehrzweckstreifen wurde beidseitig auf 1,75 bis 2,00 Meter verbreitert. Die Kernfahrbahn zwischen den Mehrzweckstreifen hat jetzt eine durchgehende Breite von 4,50 Meter. Die Auswirkungen der geänderten Markierung werden mit einer Vorher-Nachher-Untersuchung wissenschaftlich untersucht.
Im Rahmen der Untersuchung wird bzw. werden:

- Die Seitenabstände von Kfz beim Überholen von Radfahrenden gemessen;
- Die Geschwindigkeiten der Kfz im Testabschnitt erfasst;
- Der Verkehrsablauf mittels Videoaufnahmen und Beobachtungen vor Ort analysiert;
- Der „Stress“ von Radfahrenden im Testabschnitt mittels humansensorischer Messungen analysiert. Als Testpersonen waren sowohl Alltagsradler*innen als auch Gelegenheitsradler*innen im Einsatz;
- Die Testpersonen werden befragt, wie sich die Änderungen der Markierung auf ihr persönliches Sicherheitsgefühl und ihren Fahrkomfort auswirken.

Erste Ergebnisse

Die Auswertung der wissenschaftlichen Parameter wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Befragungsergebnisse der Testpersonen liegen bereits vor und zeigen ein eindeutiges Bild:

- Der neue Mehrzweckstreifen wird von allen Testpersonen als spürbar sicherer und angenehmer empfunden. Auf einer Skala von 1 – 10 ist das durchschnittliche Sicherheitsgefühl von vorher 7,25 auf 8,64 gestiegen. Die neue Lösung wird insgesamt als sehr sicher eingeschätzt.
- Die Sicherheit entsteht vor allem durch die größere Breite des Mehrzweckstreifens. Die Radfahrer*innen haben den Eindruck, es wird jetzt mit mehr Abstand überholt. Dennoch ist aufgrund der hohen Kfz-Verkehrsstärken ein aufmerksames Fahren wichtig.
- Und auch die humansensorischen Analysen zeigen einen Rückgang des gemessenen Stresses und decken sich damit mit den Ergebnissen aus den Befragungen.

Für Verkehrsplaner Michael Szeiler von con.sens verkehrsplanung sind die Rückmeldungen positiver als erwartet: „Ich bin überrascht, wie deutlich der Sicherheitsgewinn für die Radfahrenden spürbar wird. Eine häufige Rückmeldung in den Interviews war, dass der breite Streifen den RadlerInnen die Sicherheit gibt, noch etwas nach rechts fahren zu können, wenn es mal doch etwas enger wird. Sie fühlen sich nicht so eingeengt und dem Autoverkehr ausgeliefert wie vorher. Und eine Radlerin hat sogar zu mir gesagt: Wow, das ist jetzt ein richtiges Luxus-Gefühl, hier Rad zu fahren.“

Die wissenschaftlichen Auswertungen laufen derzeit und werden noch abgewartet. Es zeichnet sich jedoch ab, dass mit breiteren Mehrzweckstreifen ein deutlicher Sicherheitsgewinn für Radfahrende erzielt wird und diese Lösung in der Stadt Salzburg öfters zum Einsatz kommen wird. Wenn es der Platz zulässt, sind natürlich weiterhin baulich getrennte Radwege die präferierte Lösung.
Mit der Radstrategie 2025 der Stadt Salzburg soll der Radverkehrsanteil bis 2025 von 20 auf 24 Prozent gesteigert werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist es, die Radinfrastruktur für die Salzburger Radfahrer*innen sicherer und komfortabler zu machen.

Das Urbane Mobilitätslabor für den Großraum Salzburg wurde im Rahmen des Forschungsförderprogramms „Mobilität der Zukunft“ geschaffen. Stadt und Land Salzburg, das Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen als Koordinationsstelle sowie die Forschungseinrichtungen Salzburg Research, iSPACE und das Z_GIS der Universität Salzburg bündeln hierin ihre Expertisen.




Quelle: Stadt Salzburg



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