Kunst Haus Wien: Programm 2019

Slide background
Kunst Haus Wien
Foto: Eva Kelety
06 Dez 09:00 2018 von Gerhard Repp Print This Article

Von Großausstellungen mit Fokus auf Land und Stadt bis zum Festival FOTO WIEN

Das Kunst Haus Wien, ein Museum der Wien Holding, hat heute das Jahresprogramm 2019 präsentiert, darunter die neuen großen Fotografie Ausstellungen „Leben am Land“ und „Street. Life. Photography“ sowie das neu vom Kunst Haus Wien konzipierte Festival FOTO WIEN 2019.

Erste Großausstellung „Leben am Land“ ab 23.03.2019

Die Rolle der Fotografie wird in der ersten großen Ausstellung des Jahres bei der Betrachtung des „Lebens am Land“ deutlich. Beim Versuch, gängige Klischees des Landlebens – von der angeblichen Idylle im Grünen bis zur vermeintlichen Tristesse strukturschwacher Regionen – zu illustrieren, schärft eine Auswahl künstlerischer Arbeiten den Blick des Betrachters für feine „Zwischentöne“: Im Blick auf die Realität jener Menschen, die in Österreich, in Europa oder in den USA weit weg von Metropolen leben, geht es zentral um die Gerechtigkeitsfrage – wer hat wo Zugang zu welchen Ressourcen und findet auch dort Anbindung an die globalisierte Welt. „Leben am Land“ (23.03. – 25.08.2019) ist eine Zusammenstellung internationaler fotografischer Positionen, die einlädt, über reale Lebenssituationen in der Provinz nachzudenken. Denn Menschen in ländlichen Gebieten leiden vermehrt unter ökonomischen und ökologischen Fehlentwicklungen unserer Zeit. Die Ausstellung ist von 23.03. bis 25.08. zu sehen und bildet einen Programmschwerpunkt des neuen vom Kunst Haus Wien ausgerichteten Fotofestivals.

„Street.Life.Photography“ ab 11.09.2019

Als thematischer Gegenpol zu Fotografien über das Landleben ist die zweite große Fotografie-Ausstellung des Jahres der Street Photography gewidmet, einem der schillerndsten und spannendsten Genres der Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts. Die „Street.Life.Photography“ (11.09.2019-16.02.2020) betitelte Themenschau umfasst 52 Positionen mit über 320 Werken, darunter Klassiker der Street Photography wie Diane Arbus, Robert Frank, Lee Friedlander, William Klein oder Martin Parr. Ihre Arbeiten dokumentieren die unmittelbar erfahrbare Lebenswelt des „urban space“ und haben damit Fotografiegeschichte geschrieben. Sie treten mit Aufnahmen junger internationaler und österreichischer KünstlerInnen wie Mohamed Bourouissa, Harri Pälviranta, Alex Dietrich und Lies Maculan in einen direkten Dialog. Der Vergleich der unterschiedlichen Inszenierungsmöglichkeiten des urbanen Raums früher und heute lässt nicht nur die Veränderung des städtischen Umfelds, der Mode, der Lifestyles usw. in Erscheinung treten, sondern veranschaulicht auch die Weiterentwicklung des Mediums selbst.

Strahlung, Klimaerwärmung, Veränderung, Natur: KünstlerInnen in der Garage

Die schwedische Künstlerin Lina Selander bespielt mit der filmischen Installation „Shadow Optics“ (24.01.-10.03.2019) als erste von fünf KünstlerInnen die Garage des Kunst Haus Wien. Sie knüpft an ihre 2015 im Schwedischen Pavillon der Venedig Biennale gezeigte Arbeit „Excavation of the image – Imprint, shadow, spectre, thought“ an. Auch ihre neue Arbeit thematisiert die Beziehung zwischen Strahlung und Film, Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit und sensorischen Materialien – erweitert um Visualisierungen, die von Radioaktivität und digitalen Codes handeln.

Wie die Zukunft von Menschen bei einer Klimaerwärmung von „Plus 1,5 Grad Celsius“ aussehen könnte, steht in der gleichnamigen Präsentation des polnisch-britischen Künstlerduos Lena Dobrowolska und Teo Ormond-Skeaping (23.03.-10.06.2019) zur Diskussion. Sie rücken Portraits von Menschen in den Mittelpunkt, die in vom Klimawandel am stärksten betroffenen Gebieten, wie etwa Afrika, Nepal oder Bangladesch, leben. Ihre Widerstands- und Anpassungsfähigkeit könnte uns Denkanstöße für die Bewältigung von Zukunftsszenarien liefern.

Die österreichische Künstlerin Claudia Märzendorfer interessiert sich in ihren vielschichtigen und meist von Vergänglichkeit und Zeit handelnden Arbeiten für Veränderung und Wahrnehmung. Die Bildhauerin verschiebt ihren Skulpturenbegriff in die Flüchtigkeit und das Prozessuale. Für ihre Präsentation „Eine lodernde Welt“ (20.06.-29.09.2019) schafft sie einen Raum für Austausch und Reflexion, der Alternativen zur gegenwärtigen kapitalistisch post-kolonialistischen Realität aufzeigt.

„In October 2019 I listened to animals imitating humans“ (10.10.-01.12.2019) nennt der österreichische, in New York lebende Künstler Martin Roth seine raumgreifende Installation. Er füllt die Garage mit Schutt, bestückt mit Tier und Mensch evozierenden Objekten sowie Pflanzen. Das Beziehungsgeflecht von Mensch – Pflanze – Tier bzw. Menschlich – Nichtmenschlichem stellt sich in der „künstlichen Landschaft posthumaner Ästhetik“ fiktiv neu dar.

FOTO WIEN 2019

Das Kunst Haus Wien erhielt als führendes Haus für aktuelle künstlerische Fotografie in Wien den Auftrag der Stadt Wien, den Monat der Fotografie (ehemals „Eyes On“) neu auszurichten. Im Frühjahr 2019, mit einer Laufzeit von 20.03. bis 20.04., startet das Festival FOTO WIEN erstmals in dieser Form. Das biennal konzipierte Festival rückt das Medium Fotografie ins Zentrum der Aufmerksamkeit und macht die Vielfalt und das Potential der lokalen Fotoszene sichtbar. Ziel ist es, ein breites Publikum für Fotografie als Kunstform mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem weitreichenden Potential zu begeistern und in aktuelle Diskurse zu involvieren. Über 120 ProgrammpartnerInnen – Museen, Ausstellungshäuser, Galerien, Archive, Fotografie-Institutionen, Kunstuniversitäten, Künstlerinitiativen und Off-spaces – werfen in den vier Wochen, anfangs in sogenannten Focus-Days gebündelt, einen neuen Blick auf das lokale und internationale Fotogeschehen. Die ProgrammpartnerInnen wurden im Herbst von einer Jury ausgewählt.

Festivalzentrale in der Postsparkasse mit Eigenproduktionen und Diskursprogramm

Im Rahmen des Festivals stellt die SIGNA der FOTO WIEN das Postsparkassengebäude von Otto Wagner, 1010 Wien, zur kulturellen Zwischennutzung zur Verfügung. Als Festivalzentrale ist es für zehn Tage Mittelpunkt der Aktivitäten und bietet Platz für Fotoausstellungen, einen Photobook Market, Portfolio Reviews und Awards, ist aber auch Ort für den internationalen Austausch und Diskurs über das große Thema Fotografie, das sich über Workshops, einem Symposium, Vorträge und Diskussionen vermittelt.

Die wichtigsten Eigenproduktionen von FOTO WIEN in der Festivalzentrale:

o Bodyfiction

Als Mitglied des European Month of Photography (EMOP) steht eine gemeinschaftlich konzipierte Ausstellung der Mitglieder aus Athen, Berlin, Bratislava, Budapest, Ljubljana, Luxemburg und Paris auf dem Programm. Zum Thema Körperdarstellungen in der zeitgenössischen Fotografie zeigt die Ausstellung Bodyfiction Arbeiten von Alix Marie, Carina Brandes, SMITH, Weronika Gęsicka und Matthieu Gafsou.

o Zones Urbaines /Urbane Zonen

Auf die Prozesshaftigkeit des Festivals, das in Paris seinen Ursprung nahm und an dem inzwischen mehrere europäische Metropolen teilnehmen, nimmt die Ausstellung Zones Urbaines /Urbane Zonen Bezug. Die österreichischen und französischen KünstlerInnen Sabine Bitter/Helmut Weber, Mohamed Bourouissa, Valérie Jouve, Aglaia Konrad, Claudia Larcher und Lise Sarfati wurden eingeladen, sich mit dem Phänomen Stadt auseinanderzusetzen und die Wirkungsbereiche des Lebens in städtischen Räumen zu ergründen, in denen unterschiedliche Soziotope einander bedingen und gesellschaftliches Handeln immer in einem bestimmten architektonischen Setting stattfindet. Als Projekt im Öffentlichen Raum wird eine Werkserie von Valérie Jouve im Hof des MuseumsQuartier Wien zu sehen sein.

o Schwerpunkt Kooperation mit Universitäten

Großes Augenmerk lenkt die FOTO WIEN auf Universitäten und Ausbildungsstätten für künstlerische Fotografie – beispielweise mit einer Ausstellung in Kooperation mit der Fotoklasse Gabriele Rothemann der Universität für Angewandte Kunst in der Festivalzentrale.

o Symposium

Das für 05.04.2019 angesetzte Symposium „Poisoned Pictures – Photography & Ecology“ findet in Kooperation mit der European Society for the History of Photography im Kunst Haus Wien statt und behandelt das fotografische Abbild von Natur.

Das Programm der FOTO WIEN und die Präsentation aller PartnerInnen und Programme wird auf der Website www.fotowien.at nach und nach in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Rückschau Kunst Haus Wien 2018

Das Kunst Haus Wien konnte in diesem Jahr mit zwei großangelegten Ausstellungs-Eigenproduktionen punkten, die von einem breiten Publikum ebenso positiv aufgenommen wurden wie in Kreisen der Fotografie-Kunstfachwelt. Die finnischen Fotografin Elina Brotherus schuf für ihre Personale neue Arbeiten, die sie auf das Kunst Haus Wien bezog. Mit der Ausstellung „Stillleben. Eigensinn der Dinge“ gelang es, Fotografie als Medium kunstgeschichtlich neu zu beleuchten und wichtige österreichische und internationale Positionen zueinander in Verbindung zu setzen.

Auch die Auseinandersetzung mit dem Themenkreis Nachhaltigkeit hat, sowohl inhaltlich-programmatisch als auch organisatorisch als Institution, Bestand. Fünf Präsentationen in Garage/Garten standen in direktem Bezug zu Ökologie, Politik und Gesellschaftsthemen. Mit der Verleihung des Österreichischen Umweltzeichens ist das Kunst Haus Wien zudem das erste Museum, das als Kultureinrichtung die Verpflichtung einging, auch nach innen nachhaltig zu agieren.

Bettina Leidl, Direktorin des Kunst Haus Wien: „Wir haben mit unseren Ausstellungen zu Fotografie- und aktuellen Fragestellungen unserer Zeit ein sehr hohes Niveau erreicht, das uns auch international auf eine Ebene mit etablierten Institutionen stellt. In Wien spricht man von der Aktualität, die unser Programm ausmacht. Ich bin sehr stolz, dass ich im fünften Jahr der Leitung des Hauses so viel Vertrauen schaffen konnte, dass man uns ein weiteres großes Projekt überträgt, die FOTO WIEN, die wir mit großem Enthusiasmus vorbereiten.“

Die Besucherzahlen des Jahres 2018 belegen den Zuspruch für das Programm: Die Ausstellung „Elina Brotherus. It’s not Me, it’s a Photograph“ verzeichnete rund 38.000 BesucherInnen. Die aktuelle Fotografie Ausstellung, „Stillleben. Eigensinn der Dinge“ läuft noch bis 17.02.2019. Sie wird voraussichtlich von 30.000 BesucherInnen gesehen werden. Mit einer voraussichtlichen Gesamtbilanz von ca. 120.000 BesucherInnen und 183.000 Eintritten kann das Kunst Haus Wien das Jahr äußerst positiv abschließen.


Quelle: Stadt Wien



  Markiert "tagged" als:
  Kategorien:
Gerhard Repp

Chefredakteur

Chefredakteur von www.regionews.at.

Weitere Artikel von Gerhard Repp