Integration ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

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Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky und die Migrationsexpertin Prof. Petra Bendel diskutierten beim „Wien.welt.offen Talk“ in der Aula am Campus der Universität mit dem Publikum.
Foto: PID/VOTAVA
08 Nov 14:00 2019 von Redaktion Salzburg Print This Article

Start der „Wien.welt.offen Talks“ mit einem Vortrag der deutschen Migrationsexpertin Petra Bendel

Am vergangenen Montag startete die neue Veranstaltungsreihe „Wien.welt.offen Talks“ der Stadt Wien, in der ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam mit dem Publikum über innovative Wege von Integration und Teilhabe diskutieren. Den Anfang machte die deutsche Migrationsexpertin Petra Bendel mit ihrem Vortrag „Wir schaffen das: Integrationspolitik in Deutschland“. Sie thematisierte gemeinsam mit dem Wiener Politologen Oliver Gruber und Norbert Bichl vom Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen österreichische und deutsche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Integration von Flüchtlingen sowie Empfehlungen für eine nachhaltige Integrationspolitik.

„Integration ist in erster Linie harte Arbeit, aber sie lohnt sich. Mein Ziel ist eine Gesellschaft, in der alle ihren Platz haben und auf eigenen Beinen stehen können“, sagte Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky bei der Eröffnung der neuen Reihe, die einen Denkraum für eine sachliche und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit Themen wie Integration, Teilhabe und Gesellschaft schaffen soll fördern soll.

Integration eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

„Integration kann nur erfolgreich sein, wenn sich die ganze Gesellschaft weiterentwickelt. Denn Integration ist die chancengleiche Teilhabe aller Personen – unabhängig von ihrem Migrationshintergrund – an den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“, definierte Petra Bendel den Begriff Integration in ihrem Vortrag. Ausgehend von Integration als gesellschaftliche Gesamtleistung empfiehlt Bendel deshalb Integration in allen Regelangeboten mitzudenken.

Österreich und Deutschland im Vergleich

Die vergleichbaren Ausgangsbedingungen von Österreich und Deutschland machen die beiden Länder laut Bendel zu „lebendigen Laboratorien“. Beide Länder waren beispielsweise ähnlich erfolgreich bei der Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt. In Österreich sowie in Deutschland waren nach drei Jahren über ein Drittel der geflüchteten Menschen in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis. „Die Arbeitsmarkintegration ist besser gelaufen als erwartet“, sagte Bendel.

Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland stellten die Wissenschaftlerin bei der Wertediskussion fest: „Integration war in Deutschland von Anfang an Arbeitsmarktintegration. Die Vermittlung von Werten hatte eine Nebenrolle.“ Im Gegensatz dazu ist die Wertediskussion in Österreich seit vielen Jahren ein zentrales Thema. Aus Sicht des Wiener Politikwissenschaftlers Oliver Gruber wurde diese Debatte in den letzten zwei Jahren aber noch weiter angeheizt: „Die einstige Erzählung einer ‚Integration durch Leistung‘ trat in den Hintergrund und es entwickelte sich eine zunehmend kulturalisierte Diskussion rund um Wertekurse, Kopftuchverbot und Deutschklassen.“

Rolle der Städte und Gemeinden

Wer nicht EU BürgerIn ist und in Österreich bleiben will, muss Deutsch lernen, gleiches gilt für Deutschland. Die Kosten für die erforderlichen Deutschkurse müssen die meisten Zugewanderten selbst tragen. „Bei unzureichend staatlich finanzierten Integrationsmaßnahmen wie Deutschkurse springen oft Städte in die Bresche“, sagte Norbert Bichl vom Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen. Bichl verweist dabei als Beispiel auf den StartWien-Bildungspass, ein seit 2008 bestehendes Gutscheinsystem für Deutschkurse der Stadt Wien.

„Ich setze sehr stark auf die Städte und Gemeinden, sie haben und können noch viel positives bewirken“, sagte Bendel in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum.



Quelle: Stadt Wien



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