Wien: Hebein: Ortsverhandlung als wichtiger Schritt für autofreie Innenstadt

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Wien

16 Jul 13:00 2020 von Redaktion Salzburg Print This Article

„In der Klimahauptstadt Wien gehören die Gassen und die Plätze den Menschen und nicht den Motoren. Mit der autofreien Innenstadt lassen wir die Stadt durchatmen. Heute sind wir diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen“, sagt Vizebürgermeisterin und Klimaschutzstadträtin Birgit Hebein anlässlich der Ortsverhandlung zum gemeinsamen Projekt der autofreien Innenstadt.

Seit der offiziellen Einigung zwischen der Stadt Wien und dem Bezirksvorsteher des 1. Bezirk Markus Figl Mitte Juni wurden – wie auch schon vorher – viele Gespräche mit AnrainerInnen, UnternehmerInnen, Kaufleuten, den anderen Parteien und den umliegenden Bezirken geführt. Bei der heutigen Ortsverhandlung waren über 40 Organisationen geladen – darunter die Bezirksvorstehungen der Bezirke 1 bis 9, Magistratsabteilungen, Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie Interessensvertretungen.

„Wie immer bei solchen Verhandlungen gibt es offene Fragen – unterschiedliche Perspektiven einzuholen und gemeinsam Lösungen zu finden ist enorm wichtig. Klar ist auch: Am Ende des Tages überwiegen die Chancen: auf saubere Luft, auf weniger Lärm, auf mehr Platz und mehr Lebensqualität für alle“, fasst Vizebürgermeisterin Hebein zusammen. Die Gespräche waren sehr konstruktiv und auf einer fachlichen Ebene. Es wurden offene Fragen geklärt und Stellungnahmen aller eingeholt. Bis inklusive Dienstag kommender Woche können außerdem schriftliche Stellungnahmen abgegeben werden, die von der zuständigen Behörde MA 46 aufgenommen und wie vom Verfahren vorgesehen bei der Erstellung der notwendigen Verordnung geprüft werden. Die finalen Ausnahmeregelungen werden nach der Frist für die Stellungnahmen feststehen.

Mutige Gestaltung erforderlich

„Wien steht vor zwei großen Krisen – Corona hat unserer Wirtschaft einen schweren Schlag versetzt und die Auswirkungen der Klimakrise werden uns in Wien noch stärker treffen als anderswo in Europa. Wir können nicht einfach weitermachen, wie bisher: Wir müssen etwas für das Herz und die Lunge dieser Stadt tun“, sagt Birgit Hebein.

Die autofreie Innenstadt ist einer von drei wichtigen Eckpfeilern, wie wir Mobilität in Wien zukünftig gestalten wollen. Die Temporeduktion innerhalb des Gürtels gehört genauso dazu wie eine neue Parkraumbewirtschaftung und der Öffi-Ausbau in den Außenbezirken. Nur so erreichen wir unser Ziel: Den CO2-Ausstoß in Wien um die Hälfte zu reduzieren. „Wenn wir nichts tun, werden wir die Klimakrise nicht mehr aufhalten können. Dann wird jede Diskussion um einen Parkplatz mehr oder weniger sinnlos sein. Jetzt ist es Zeit, mutig zu sein und die Zukunft zu gestalten“, sagt Vizebürgermeisterin Birgit Hebein.

Keine Effekte auf Nachbarsbezirke

Laut VerkehrswissenschafterInnen der Boku ist 2021 damit zu rechnen, dass Fahrten in die Nachbarbezirke gleich bleiben werden. Diese und weitere Auswirkungen sollen ab Umsetzung begleitend evaluiert werden. Ein erster Zwischenbericht ist Ende des Jahres geplant. „Das gibt uns die Möglichkeit rasch zu reagieren und faktenbasiert nachzuschärfen“, so Hebein. Mittelfristig werden auch baulichen Maßnahmen dazu beitragen, den positiven Effekt der Verkehrsberuhigung für die Menschen und Unternehmen noch zu verstärken. VerkehrswissenschafterInnen der Boku rechnen in ersten Einschätzungen mit einem Rückgang des KfZ-Verkehrs von 50 % bis 2021.

Positive Effekte auf Wirtschaft im internationalen Vergleich

Auch internationale Beispiele bekräftigen die Chancen einer verkehrsberuhigten Innenstadt. In Madrid sind die Umsätze im Handel nach Einführung der autofreien City um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In Ljubljana haben das Stadtbild und damit auch der Tourismus und die Gastronomie besonders stark von der Einführung der autofreien Innenstadt seit 2008 profitiert. Seit der Einführung 2008 sind die Nächtigungen in der slowenischen Hauptstadt um über 160 % gestiegen. „Auch die Wirtschaft atmet auf, wenn es weniger Autoverkehr gibt. Das haben uns nicht nur Mariahilferstraße, Herrengasse, Rotenturmstraße, Otto-Bauer-Gasse sondern auch internationale Beispiele gezeigt“, sagt Vizebürgermeisterin Hebein.

Rücksicht auf unterschiedliche Bedürfnisse

Die am Ende des Verfahrens abgestimmte Verordnung wird die kommende verkehrstechnische Neuregelung der Innenstadt beinhalten. Diese umfasst Ausnahmen, die heute im Rahmen der Ortsverhandlung diskutiert wurden. „Mit diesen Ausnahmen schaffen wir ein Modell, in dem niemand, der auf sein Auto angewiesen ist, einen Nachteil erleidet und gehen gleichzeitig einen wesentlichen Schritt in Richtung Klimaschutz und Abgasreduktion“, sagt Vizebürgermeisterin Hebein.


Quelle: Stadt Wien



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