Wien: Gaal/Kaup-Hasler: Neues Kunstprojekt mit feministischer Botschaft verhüllt ab sofort Gemeindebau am Wienfluss

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Wien

02 Jul 10:00 2020 von Redaktion Salzburg Print This Article

Besticktes Gerüstnetz der „SOLANGE“-Reihe der Künstlerin Katharina Cibulka hängt drei Monate lang auf Baustellenfassade in Mariahilf

„SOLANGE DU AUGEN-HÖHEN-ANGST HAST, BIN ICH FEMINIST:IN“: Ab sofort hängt diese feministische Botschaft auf dem 200 Quadratmeter großen Baustellennetz an der Fassade des Gemeindebaus an der Linken Wienzeile 168. Das Kunstprojekt setzt mit einer großformatigen, im traditionellen Kreuzstich eingestickten Botschaft ein Zeichen.

Die weithin sichtbare feministische Intervention im öffentlichen Raum soll einen Dialog über Gleichberechtigung zwischen allen Geschlechtern in Gang setzen. „Wir haben in allen Bereichen sehr starke und gut ausgebildete Frauen, doch wenn diese Richtung Erfolg, sprich Berggipfel streben, setzt bei immer noch vielen Männern offenbar Augen-Höhen-Angst ein“, so die Künstlerin Katharina Cibulka. Es ist die fünfte Baustellenverhüllung der Künstlerin in Wien und ihre zehnte in Österreich. Die von der Kunst im öffentlichen Raum GmbH (KÖR) geförderte Installation im 6. Bezirk wird bis Ende September am Wienfluss zu sehen sein. Der Gemeindebau an der Linken Wienzeile 168 wird derzeit generalsaniert.

Künstlerin Katharina Cibulka präsentierte gemeinsam mit Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, Mariahilfs Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, Wiener-Wohnen-Direktorin Karin Ramser und KÖR Wien-Geschäftsführerin Martina Taig das feministische Projekt.

Kunstprojekt löst Dialog aus und bricht Rollenbilder auf

„Auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern gibt es noch viel zu tun! Mit ihren Werken regt Künstlerin Katharina Cibulka zum Nachdenken an. Es geht darum, überholte Rollenbilder aufzuzeigen - und sie dadurch ein stückweit aufzubrechen. Die feministische Botschaft ist weithin sichtbar und thematisiert die Machtverteilung in der Gesellschaft. Das Kunstprojekt macht Frauen Mut. Sie sollen sich alles zutrauen!“, so Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal. „Das Projekt löst einen Dialog aus und zeigt, warum Feminismus notwendig ist. Ich freue mich sehr, dass mit dem aktuellen Kunstwerk ein Gemeindebau ,bestickt‘ wird.“

„Die konsequent künstlerische und politische Auseinandersetzung mit feministischen Forderungen zeichnen Katharina Cibulkas Arbeit aus. Es ist eine Wohltat fürs Auge, solche Botschaften im Stadtbild vorzufinden; sie sind mehr als eine symbolische Markierung. Öffentlicher Raum muss immer auch als Ort der gesellschaftspolitischen und kulturellen Debatte verstanden werden“, betont Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

„Solange die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in unserer Gesellschaft noch nicht in allen Bereichen angekommen ist, müssen feministische Themen optisch wirkungsvoll in der Öffentlichkeit angesprochen werden“, betont Mariahilfs Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, der bereits das zweite Kunstwerk der Reihe „SOLANGE“ im 6. Bezirk eröffnen darf und erklärt: „Wir sind in Mariahilf PionierInnen für faire und geschlechtergerechte Projekte.“

SOLANGE DU AUGEN-HÖHEN-ANGST HAST, BIN ICH FEMINIST:IN

Die Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka setzt in ihren Arbeiten zu Feminismus, sozialer Gerechtigkeit und Gemeinschaftlichkeit immer wieder auf Aktionen, Performances und Interventionen im öffentlichen Raum. Durch die neu montierte Installation am Gemeindebau in Mariahilf sollen Brücken zwischen den unterschiedlichen Erfahrungswelten und mehr Verständnis füreinander geschaffen werden.

In Wien ist die Verhüllung des Gemeindebaus an der Linken Wienzeile 168 die fünfte feministische Intervention der Künstlerin – nach der Baustellenverhüllung am ehemaligen Hotel Kummer in der Schadekgasse (AS LONG AS IT´S ALL ABOUT SIXPACKS AND SEXBOMBS, I WILL BE A FEMINIST) und dem Netz auf dem Siriusgebäude am Simone-De-Beauvoir-Platz in der Seestadt Aspern (AS LONG AS WOMEN HAVE TO FIGHT FOR THE RIGHTS MEN HAVE ALWAYS HAD, I WILL BE A FEMINIST) sowie zwei Verhüllungen der Akademie der Bildenden Künste.

Die besondere Herausforderung dieser Verhüllung entsteht durch die Balkone: Das SOLANGE-Netz kann nicht flächig gespannt werden, sondern schmiegt sich an die Baustruktur an. Aufgrund dieser baulichen Vorgabe stellt die Künstlerin SOLANGE buchstäblich auf den Kopf. Wir müssen die Köpfe drehen, um den Satz zu dechiffrieren, denn er verläuft vertikal, von unten nach oben. Blickt man von oben nach unten, könnte man leicht Höhenangst bekommen – oder doch eher Angst vor Augenhöhe? Cibulka spielt mit der Wortkreation, die von beiden Seiten lesbar ist.

Im zweiten Teil des Satzes findet sich eine kleine Veränderung zur bisherigen Struktur der „SOLANGE-Sätze“: War es Katharina Cibulka in der Anfangsphase des Projektes wichtig, die Sprecherin oder den Sprecher eindeutig als Frau/Feministin oder Mann/Feminist sprachlich zu markieren, so entsteht nun durch „bin ich Feminist:in“ eine Öffnung hin zu allen Geschlechtern und somit ein Aufbrechen der rein binären Geschlechterstruktur. Das Projekt wird von KÖR (Kunst im öffentlichen Raum GmbH) Wien gefördert. Die Aufgabe von KÖR ist die Belebung des öffentlichen Raums der Stadt Wien mit permanenten und temporären künstlerischen Projekten. Die Funktion des öffentlichen Raums als Ort der gesellschaftspolitischen und kulturellen Debatte soll wiederbelebt werden.

Mehr Infos zum „SOLANGE“-Projekt gibt es auf: www.katharina-cibulka.com

Der Gemeindebau als Impulsgeber für öffentliche Kunst

In den Wiener Gemeindebauten haben Kunstwerke – besonders auch solche, die gesellschaftliche Verhältnisse thematisieren – schon immer einen Wirkungsraum. Der Gemeindebau war und ist ein Ort der Konfrontation mit Kunst abseits von traditionellen Institutionen. Tausende Kunstwerke in einer Vielzahl von Stilen und Ausdrucksformen finden sich heute über die ganze Stadt verteilt: von klassischen Formen der Kunst am Bau wie Friese, Plastiken, Wandbildern oder Mosaiken bis hin zu Einladungen an StreetartkünstlerInnen, Gemeindebaufassaden zu gestalten. Kunstwerke finden sich nicht nur am und im Gemeindebau. Die Anlagen bieten Raum für KünstlerInnen: In 344 Ateliers und Arbeitsräumen finden sie Platz, um an neuen Ideen und Entwürfen zu arbeiten.

„Für uns steht im Mittelpunkt, leistbaren und qualitätsvollen Wohn- und Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört auch, Kunst im Alltag zu integrieren. Es freut uns daher besonders, dem Projekt „SOLANGE“ von Katharina Cibulka für die nächsten Monate am Gemeindebau Raum geben zu können“, so Wiener Wohnen-Direktorin Karin Ramser abschließend.


Quelle: Stadt Wien



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