Burgenland: Frauenhaus Burgenland feiert seinen 15. Geburtstag

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 Landtagspräsidentin Verena Dunst, Landesrätin Astrid Eisenkopf, Gabriele Arenberger vom Verein „Die Treppe“ und Architektin Sonja Kremsner feierten das 15-Jahr-Jubiläum des Frauenhauses.
Bildquelle: Bgld. Landesmedienservice
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Landtagspräsidentin Verena Dunst (l.) und Landesrätin Astrid Eisenkopf (r.) gratulierten Gabriele Arenberger zur hervorragenden Arbeit des Teams im Frauenhaus.
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Architektin Sonja Kremsner, Landtagspräsidentin Verena Dunst, Landesrätin Astrid Eisenkopf und Gabriele Arenberger vom Verein „Die Treppe“.
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15 Aug 05:00 2019 von Gerhard Repp Print This Article

Landesrätin Astrid Eisenkopf und Landtagspräsidentin Verena Dunst verwiesen auf Wichtigkeit dieser Betreuungsstelle für von Gewalt betroffene Frauen

Vor 15 Jahren nahm das Frauenhaus Burgenland seine Arbeit auf und ist seither ein wichtiger Bestandteil in der sozialen Landschaft des Burgenlandes. Bis heute bot die Einrichtung 503 Frauen und ihren Kindern Schutz und Sicherheit. Frauenlandesrätin Astrid Eisenkopf, Landtagspräsidentin Verena Dunst und Gabriele Arenberger vom Trägerverein „Die Treppe“ blickten in einer gemeinsamen Pressekonferenz heute, Mittwoch, auf die vergangenen 15 Jahre zurück und verwiesen auf die Wichtigkeit solcher Angebote: „Mit der Eröffnung des ersten burgenländischen Frauenhauses vor 15 Jahren wurde speziell für Frauen in Not die Möglichkeit geschaffen, Hilfe, Beratung und Unterkunft zu finden. Und auch, wenn ich mir persönlich wünsche, dass keine Frau und kein Kind Zuflucht in einem Frauenhaus suchen muss, die Realität sieht leider anders aus“, erklärte Eisenkopf.

Die Grundlage für das Frauenhaus Burgenland wurde im Jahr 2002 unter der damaligen Frauenlandesrätin und jetzigen Landtagspräsidentin Verena Dunst gelegt, die sich zum „Halbrunden“ erinnerte: „Heute ist Gewalt an Frauen und Kindern kein Tabuthema mehr, doch als ich im Jahr 2000 Landesrätin wurde, musste ich feststellen, dass das Burgenland das einziges Bundesland kein Frauenhaus hatte, und ich musste mich vielen Diskussionen stellen, warum ein Frauenhaus im Burgenland überhaupt notwendig ist. Es war ein steiniger Weg, bis wir das Frauenhaus auf Schiene bringen konnten.“ Gemeinsam mit dem Verein „Die Treppe“ rund um Gabriele Arenberger und Andrea Gottweis wurde daraufhin ein Konzept erstellt, um ein altes Sozialhaus für die Nutzung als Frauenhaus zu adaptieren. Den Entwurf dazu machten die Architektinnen Sonja und Michaela Kremsner, die den Umbau in ein durch viele Schiebeelemente flexibles Frauenhaus mit mindestens zehn Wohneinheiten, Küche, Arbeitsräumen und Hobbyraum konzipierten.

Das Besondere im Frauenhaus Burgenland, das 2004 eröffnet werden konnte, ist laut Gabriele Arenberger die Möglichkeit, Frauen und ihre größeren Kinder räumlich getrennt voneinander unterzubringen. „Denn ab zwölf Jahren müssen Buben von ihren Müttern – zu deren Schutz – getrennt werden und kommen in ein Heim. Durch die Möglichkeit der Trennung in zwei separaten Gebäudeteilen können die Mütter gemeinsam mit ihren älteren Söhnen untergebraucht werden.“

Wie notwendig ein Frauenhaus gebraucht wird, zeigte sich am Ende seines ersten Jahres: 2004 war das Frauenhaus bereits voll belegt. Heute beträgt die Auslastung des Frauenhauses, das zum Schutz der Frauen anonym und mit einem speziellen Sicherheitssystem ausgestattet ist, meist zwischen 70 und 80 Prozent. 2018 wurden 25 Frauen bei einer Auslastung von 73 Prozent betreut. „Das Frauenhaus bietet Frauen, die einer häuslichen Gewaltsituation entfliehen, und ihren Kindern vorübergehende Unterkunft, psychologische Betreuung und Unterstützung, um wieder im Leben Fuß zu fassen. Keine Frau bleibt länger bei uns als notwendig“, berichtete Gabriele Arenberger aus ihrer Erfahrung: „Wir merken: Die Zahl der Frauen, die bei uns Schutz suchen, wird geringer aber die Aufenthaltsdauer wird immer länger, denn die Gewalt, der die Frauen ausgesetzt sind, wird immer diffiziler. Zu körperlicher Gewalt kommt auch noch wirtschaftliche und vermehrt psychische Gewalt hinzu."

Landesrätin Astrid Eisenkopf zeigte sich in diesem Zusammenhang überzeugt, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder in Kenntnis der weit reichenden psychischen, körperlichen und seelischen Auswirkungen als ein ernstes gesamtgesellschaftliches und gesundheitspolitisches Problem anzusehen sei. Sie fordert eine Überarbeitung des bundesweit neu geplanten Gewaltschutzgesetzes und schlägt Schulungen für RichterInnen und StaatsanwältInnen durch ExpertInnen aus dem Gewaltschutzbereich sowie verpflichtende Anti-Gewalt-Trainings für Täter vor.

Das Land Burgenland fördert das Frauenhaus Burgenland mit rund 434.000 Euro jährlich und arbeitet seit Anfang 2019 an einem „burgenländischen Gewaltschutzpaket“, das 3.000 Euro mehr an Förderungen für jede der sieben Frauenberatungsstellen, den Ausbau von Gewaltschutzprojekten sowie verstärkte Informations- und Vernetzungsarbeit zwischen den einzelnen Organisationen vorsieht. Konkret wurde bereits eine Notfallnummernbroschüre im Taschenformat erstellt. Eine weitere Broschüre „Gewalt an Kindern erkennen und handeln“ speziell für KindergartenpädagogInnen, LehrerInnen und Betreuungspersonen in diversen Einrichtungen, wie Horten oder Sportvereinen, ist derzeit in Arbeit. Bereits im Laufen ist das Projekt „Chancengerechtigkeit – gerechte Chancen“, in dem Jugendliche zunächst in Workshops in Schulen und dann im Rahmen einer Konferenz in der Friedensburg Schlaining gemeinsam mit ExpertInnen und PolitikerInnen einen Maßnahmenkatalog erarbeiten sollen.


Quelle: Land Burgenland



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