Graz: Eröffnung des Kulturjahres 2020

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Foto: Stadt Graz / Fischer
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24 Jän 19:00 2020 von Gerhard Repp Print This Article

"Wie wir leben wollen" war die zentrale Frage

Moderator Sebatian Loudon, Österreich-Repräsentant der Zeit, hatte nicht zuviel versprochen, als er sagte: "Der heutige Abend bietet etwas für Herz und Hirn sowie für Augen und Ohren." So war es dann auch: Der Grazer Stefaniensaal präsentierte sich anlässlich der Eröffnung des Kulturjahrs 2020 in komplett neuem Look. Neonlichter irrten durch den Saal und ließen die altehrwürdigen Luster spektakulär erstrahlen, ungewöhnliche Soundeffekte machten schon vor Beginn klar, dass hier nichts Gewöhnliches folgen würde. Ein aufgebautes Metallgerüst mit Licht und Monitoren sollte das intellektuelle Gerüst der kommenden elf Monate darstellen. Und tatsächlich, das "Preludium" wie es Lauder nannte, war gelungen. Es erfolgte in mehreren Etappen: Jede davon eindrucksvoll.

Den Auftakt bildeten die Grußworte von Bürgermeister Siegfried Nagl und Kulturstadtrat Günter Riegler. Beide blickten in jenen Sommer 2017 zurück, als sie in einem Telefongespräch über die Idee Nagls von einem Schwerpunktjahr diskutierten. Das Stadtoberhaupt wollte damals eine Brücke vom Kulturhauptstadtjahr 2003 in die Gegenwart bzw. Zukunft schlagen und Riegler, ein Kulturfan seit Schulzeit, fand war sofort Feuer und Flamme: "Obwohl, als gelernter Finanzprüfer hatte ich dabei auch Bauchweh, dachte aber: Wir schaffen das."

Die Grazer Stadtregierung war übrigens vollzählig vertreten.

Der Bürgermeister verheimlichte nicht, was ihn antrieb, was diese Idee befeuerte: "Wenn du in einer Stadt Verantwortung tragen darfst, dann beschäftigst du dich permanent mit der Frage, wie Menschen leben wollen, wie das Zusammenleben aussehen kann. Genau diese Fragestellung haben wir dem heurigen Jahr zugrunde gelegt. Wir wollen dabei wissen, wie die Grazerinnen und Grazer in der Zukunft leben möchten." Denn, so Nagl, die Gestaltung sei nicht Sache der PolitikerInnen alleine, im Gegenteil, es gehe um die Mitgestaltung und Mitbestimmung durch die BürgerInnen.

Ein magischer Moment

Günter Riegler begrüßte die Gäste: "Willkommen im Kulturjahr 2020. Willkommen in Graz." Dann gestattete er sich ein persönliche Bemerkung: "Bei den Bühnen Graz sprechen wir derzeit viel vom magischen Moment. Ein solcher ist heute ganz eindeutig für mich." Und diesen war der Kulturreferent durchaus bereit, zu teilen: "Wir möchten mit den Menschen sprechen. Der Dialog steht deshalb im Mittelpunkt." Das paritzipative Prinzip prägt auch das Programm des heurigen Jahres. Denn dieses wurde nicht samt Intendanten fix und fertig zugekauft, sondern entwickelt: 600 Einreichungen von VertreterInnen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft waren es, aus welchen schließlich 94 Projekte hervorgingen. "Ein wichtiger und richtiger Schritt", resümierte Riegler und vergass nicht, sich in alle Richtungen zu bedanken. Allen voran bei Programm-Manager Christian Mayer. Ihm streute Riegler Rosen: "Für mich war sofort klar: Das ist der Richtige."

Als bekennder Realist definierte Riegler zum Start auch gleich das Ziel: "Das Kulturjahr 2020 ist dann ein Erfolg, wenn es gelingt, bei den Menschen Verständnis für das Dilemma der Stadtentwicklung zu erlangen." Seine Bitte ans Publikum und darüber hinaus lautete: "Tragt die Botschaft des Kulturjahres hinaus und wirkt als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren."


Emils Welt hat gute Chancen

Was nun folgte war richtig gut. Der Auftritt von Ranga Yogeshwar (61), luxemburgischer Wissenschaftsjournalist und Physiker, vielen aus dem Fernsehen bekannt. Der Titel seiner Festrede lautete "Emils Welt". Warum? Das wurde rasch klar: Denn eine der ersten Seiten seiner Präsentation zeigte auf den Bildschirmen einen winzigen Erdenbürger. Emil. Sein erstes Enkelkind, das am vergangenen Wochenende das Licht der Welt erblickt hat. Wie seine Welt einmal aussehen würde, was sich bis dahin verändern wird, darüber sinnierte Yogeshwar in den folgenden 60 Minuten oder mehr ziemlich gekonnt. Wenn auch nicht alles neu war, was man zu hören und sehen bekam.

Zwischen seinen unzähligen Gedankengängen, die viel mit Digitalisierung, Vernetzung, Robotik und Datentransfer zutun hatten und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gespickt waren, stellte er immer wieder die Frage: "Wie wollen wir leben?". Als einen enormen Fortschritt verglichen mit dem Urmenschen bezeichnete der Wissenschaftler die Möglichkeit, dass wir heute in der Lage sind, unser Leben mitzubestimmen. Das war nicht immer so. Yogeshwar vergaß nicht, große Grazer in seine Ausführungen aufzunehmen: Johannes Kepler, Erwin Schrödinger und Josph Schumpeter. "Sie alle haben auf ihre Art Revolutionen eingeleitet, Veränderung hervorgerufen."


Opa, das geht einfacher!

Als Vielreisender berichtete Yogeshwar von seinem Abstecher kürzlich in einem Supermarkt in San Franzisko. "Nicht Ungewöhnliches ansich. Doch dort gab es keine Kassiererin. Es handelte sich um 'Amazon go' und ich ging ganz langsam aus dem Laden raus, ständig in Sorge, man würde mich aufgrund meines Nichtbezahlens festnehmen. Als ich draußen stand piepste mein Handy. Die Rechnung war da." Und ja, Emil, so meinte sein Großvater, würde in Zukunft generell zu ihm sagen: "Opa, das geht einfacher."

Für Yogeshwar habe Innovation etwas Magisches und man müsse an die Stabilität denken, so sein Rat, wieder wahrhaftig miteinander kommunizieren - zwischen all dem lauten Geschrei, ehrlich von Mensch zu Mensch reden: "Ich glaube an die Zukunft, an die Zukunft der Generation Emil. Wir müssen im Neuen die Chancen sehen."

Wer seine Chance nutzen möchte und am Kulturjahr 2020 teilhaben will, dem sei das umfangreiche und pluralistische Programm ans Herz gelegt: www.kulturjahr2020.at



Quelle: Stadt Graz



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Gerhard Repp

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