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Foto: Greg Kraftschik
15 Mai 08:47 2019 von Gerhard Repp Print This Article

Gehdenken an die Todesmärsche in Ansfelden

"Niemals Nummer. Immer Mensch!“

Erinnerungskultur ist ein wesentliches Stück Zukunftssicherung. Es ist lange her und doch so nahe, da haben Menschen andere Menschen umgebracht. Auf Todesmärschen. Systematisch. Eine Tafel an der Kremsbrücke in Ansfelden erinnert daran. Wenn Menschen jetzt wieder mit Ratten verglichen werden ist es höchst an der Zeit, die Frage nach dem Menschen, nach dem Menschsein zu stellen. Ganz konkret.

"Niemals Nummer. Immer Mensch" lautete der Titel der heurigen Gedenkveranstaltung an die Ermordeten der Todesmärsche der Jüdinnen und Juden von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945, zu dem die Plattform "Wider das Vergessen“, MauthausenKomitte Ansfelden, Treffpunkt mensch & arbeit Nettingsdorf, ÖGB Linz-Land am Mittwoch, 24.4.2019 einlud.

Vom Namen zur Nummer, vom Strichcode zum Namen. In einer Installation mit Strichcodes und Namen wurden auf großen weissen Würfeln konkrete Namen und ihre Geschichten sichtbar gemacht. Und auch ausgesprochen, vorgelesen von Schülern und Schülerinnen der VS und NMS Ansfelden. So wurde berührend an einen Teil ihrer Geschichte, ihres Lebens erinnert.

67475 – ungarischer Jude – Lajos Karpfen, geboren 2.3.1926, Arbeiter, eingeliefert ins Konzentrationslager Mauthausen am 28.5.1944, ermordet in Gunskirchen. 87435 – polnischer Jude – Leon Nadel, Optiker, …

„Das letzte Merkmal der Individualität wurde den Neulingen im letzten Akt der Einweisung genommen. Bei der Registrierung im Büro wurde jeder mit einer Nummer versehen. Der Raub des Eigennamens gehört zu den tiefgreifendsten Verstümmelungen des Selbst. Er dokumentiert das Ende der bisherigen Lebensgeschichte.“

(Wolfgang Sofsky, "Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager")

Mit der namentlichen Erfassung der Häftlinge im Konzentrationslager Mauthausen erfolgte die Zuteilung der Nummern. Diese konnte viele Stunden oder sogar Tage dauern. Nachdem die Häftlinge ihre Nummer erhalten hatten, waren sie von da an aber auch nur mehr eine „Nummer“. Diese Nummer musste in Form einer Blechmarke und auf der Häftlingsuniform getragen werden. Der eigene Name existierte nicht mehr. Die Häftlinge durften sich nur mehr mit Ihrer Nummer melden und wurden auch nur mehr mit dieser gerufen. Um nicht getötet zu werden, war es notwendig die Nummer und andere Befehle auf Deutsch zu können. Das an einem Ort, wo mehr als 90% Deutsch nicht als Muttersprache hatten. Morgens und abends wurden tote und lebende Häftlinge mit ihren Nummern bei den täglichen Appellen durchgezählt.

In einem gemeinsamen Zug der TeilnehmerInnen wurden als Gedenkgeste Steine bei der Gedenktafel abgelegt und Blumen an der Kremsbrücke angebunden. Zur Erinnerung, dass wir Menschen sind, die gemeinsam an einer Welt bauen, wo wir einander Nächste sind.

"Denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis seiner Wiederholung."



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