Kärnten: „Essen“ auf dem Prüfstand - Lebensmittelsicherheit in Zeiten von Corona

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Kärnten

05 Jul 11:00 2020 von Redaktion Salzburg Print This Article

LHStv.in Prettner: Im Vorjahr 3.567 Kontrollbesuche der Lebensmittelaufsicht – Drei Betriebsschließungen – Coronakrise brachte zusätzliches Aufgabengebiet: mehr als 4.000 Corona-Tests durchgeführt

Klagenfurt (LPD). 56 Mitarbeiter umfasst das ILV (Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt), 19 Mitarbeiter zählt die Lebensmittelaufsicht – tagtäglich stehen sie im Einsatz, um Proben zu ziehen und unsere Lebensmittel zu testen. „Für mich als Gesundheitsreferentin ist die Kontrolle der Lebensmittel ein extrem wichtiger Bereich“, betonte heute, Freitag, LHStv.in Beate Prettner bei einer Pressekonferenz. „Die Lebensmittelkontrolle selbst werde von Jahr zu Jahr komplexer und umfassender: Zum einen nimmt die Produktvielfalt zu, zum anderen steigt die Komplexität der Laboranalysen kontinuierlich, denken wir an chemische Inhaltsstoffe, an Farbstoffe oder Ergänzungsmittel“, so Prettner. Wie sie erklärte, verfüge Kärnten mit dem ILV und der Lebensmittelaufsicht unter einem gemeinsamen Dach über ein sehr gutes System: „Die enge Kooperation macht eine effiziente Kontrolle gut möglich“, dankte sie Edeltraud Kovacs, Leiterin der Lebensmittelaufsicht, und ILV-Leiter Gunther Vogl.

Laut Prettner habe die Coronakrise die beiden Institute vor zusätzliche Herausforderungen gestellt: „Das ILV wurde vom Bundesministerium als Corona-Testlabor zertifiziert und hat als solches bis dato mehr als 4.000 Corona-Testungen durchgeführt. Auch auf die Lebensmittelaufsicht sind neue Anforderungen zugekommen – etwa die Kontrolle von neu entstandenen landwirtschaftlichen Selbstbedienungshütten oder die Testung von Produkten, die aufgrund von coronabedingten Betriebspausen als vakuumverpackte Produkte verkauft wurden.

Wie Vogl festhielt, konnte eine Coronavirus-Übertragung über Lebensmittel bis dato nicht nachgewiesen werden: „Nach derzeitigem Wissenstand ist es faktisch unmöglich“, so Vogl. Das gelte sowohl für Lebensmittel aus dem Inland wie aus dem Ausland. „Ein Virus kann sich auf Lebensmitteln nicht vermehren. Außerdem kann ein Virus auf Lebensmitteln nicht lange überleben.“ Auch eine Übertragung via Getränke schließt Vogl mehr oder weniger aus: „Das ist nur denkbar, wenn direkt ins Glas oder in eine Trinkflasche gehustet oder geniest wird.“ Nichtsdestotrotz sieht Vogl das strikte Einhalten sämtlicher Hygienemaßnahmen in Lebensmittebetrieben als zwingend: „Wir haben in Österreich einen wirklich hohen Hygienestandard; dieser wird auch laufend überprüft. Wissenschaft und Risikobewertungsinstitute halten zudem die Entwicklung unter genauer Beobachtung“, betonte Vogl.

Im ILV-Labor wurden seit 24. März Testungen von Abstrichproben von Verdachtsfällen und von Screenings in den Kärntner Pflegeheimen durchgeführt. Bis dato hält man bei mehr als 4.000 Testungen. „Ein großer Teil unserer Belegschaft ist daher durchgehend im Einsatz, teilweise sieben Tage die Woche“, so Vogl.

Wie Edeltraud Kovacs ausführte, habe die Coronakrise auch ihr Institut vor neue Herausforderungen gestellt: „Während der ersten Phase von Mitte März bis Mitte April haben Vor-Ort-Kontrollen nur bei begründeten Anlassfällen stattgefunden. Ab Mitte April bis zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs Mitte Mai haben wir vor allem Schwerpunktkontrollen bei landwirtschaftlichen Selbstbedienungshütten durchgeführt. So wurden 44 Hütten überprüft und wir haben erfreulicherweise bis auf drei Kennzeichnungsmängel keine qualitativen Mängel gefunden“, so Kovacs. „In Summe sind unsere Mitarbeiter während des Lockdowns zu 272 Kontrollen ausgerückt. Intensiver kontrolliert wurden dabei auch jene Produkte, die Gastrobetriebe auf Lager hatten und dann vakuumverpackt in Umlauf gebracht haben - auch hier hat es keine Beanstandungen gegeben.“

Im Jahr 2019 wurden von der Lebensmittelaufsicht 3.567 Kontrollbesuche gemacht – verteilt auf 2.921 Betriebe. „Dabei wurden 1.844 Proben genommen und davon 233 beanstandet. Das heißt, die Beanstandungsquote liegt bei 12,7 Prozent. Drei Betriebe musste geschlossen werden“, führte Kovacs aus. Zusätzlich zu den Routinekontrollen wurden im Vorjahr Schwerpunktkontrollen durchgeführt. Zum einen war das die Beprobung von Hartwürstel auf krebserregende Stoffe, die u.a. beim Räuchern auftreten können. „Drei von elf Proben erwiesen sich als gesundheitsschädlich, zwei Mal wurde wegen Grenzwertigkeit eine Verwarnung ausgesprochen und eine neuerliche Kontrolle angeordnet“, informierte Kovacs. Zum anderen wurde in der Gastronomie die Fischart-Deklaration kontrolliert: „Leider hat es dabei bei mehr als der Hälfte der Proben Mängel bei der Deklaration gegeben. Aus diesem Grund wurde diese Schwerpunktkontrolle in der Vorwoche wiederholt. Aktuell sind wir bei der Auswertung“, so die Leiterin der Lebensmittelaufsicht.

Trotz dieser „Fisch-Bezeichnungsmängel“ kann für das Jahr 2019 ein durchaus positives Zeugnis ausgestellt werden: „Wir liegen exakt auf den Niveaus der Vorjahre. Und das ist ein niedriges Beanstandungsniveau“, hieß es unisono von Prettner, Vogl und Kovacs.




Quelle: Land Kärnten



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