Rechtsstreit um ein Affen-Selfie: Debatte um ideellen Wert eines Fotos

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Foto: Flickr Monkey takes selfie (Macaca nigra self-portrait) Katexic Clippings Newsletter CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
12 Aug 19:37 2017 von Gerhard Repp Print This Article

Man könnte meinen, dass Fotos in unserer heutigen Gesellschaft an Wert verloren haben. Waren sie, gesammelt und fein säuberlich in Alben sortiert, früher ein kulturelles Erbe einer jeden Familie, so sind sie heute nur ein kleiner, unbedeutender Teil in der Bilderflut des Internets. Ein jahrelanger Rechtsstreit um die Urheberrechte eines Affen-Selfies könnte nun die Debatte um den ideellen Wert von Fotografien wieder anfachen.

Naruto und sein berühmtes Selbstporträt

Die Geschichte hinter dem berühmten Affen-Selfie hätte man sich nicht selbst ausdenken können. 2011 reiste der Naturfotograf David Slater nach Indonesien, um dort bedrohte Tierarten zu fotografieren. Als der Fotograf seine teure Kameraausrüstung für einen Moment aus den Augen ließ, schnappte sich ein Schopfaffe die Kamera und machte Fotos: so entstand das wohl berühmteste Affen-Selfie der Welt. Daraufhin lud Slater einige Fotos bei Wikimedia Commons hoch – und machte das Selfie somit für jeden frei zugänglich. Als Slater die Fotos wieder entfernen wollte, schaltete sich die Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ein und reichte im Namen des Affens Naruto eine Klage ein. Laut PETA gehören die Bildrechte schließlich Naruto, denn er habe das Foto gemacht. Die weltweit größte Tierschutzorganisation will den Erlös als gesetzlicher Vertreter zum Schutz des Affen, seiner Artgenossen und Heimat verwenden. Das Spektakuläre daran: Slater selbst widmet sich der Dokumentation seltener Tierarten. Er argumentierte zudem, dass er den Affen dazu animiert habe, überhaupt auf den Auslöser zu drücken. Außerdem handle es sich schließlich um seine Kameraausrüstung. Während Slater aufgrund der hohen Prozesskosten inzwischen pleite sein soll, betrachtet PETA den Prozess als Präzedenzfall für Tierrechte: Denn sollte das Gericht PETAs Klage recht geben, dann würde das Copyright zum ersten Mal auf ein nicht-menschliches Wesen ausgeweitet werden.

Fotografien als familiäres Kulturgut

Während die Fotografie für David Slater die Existenzgrundlage darstellt, sind Fotos in unserer digitalisierten Welt ein Mittel zur öffentlichen Selbstdarstellung, vor allem Selfies. Die eigentliche Frage ist daher eher, ob sich jeder, der sein Leben in Echtzeit dokumentiert, Fotograf nennen kann – sogar ein Affe? Was macht das aus dem Medium Foto? Und verlieren Fotografien durch die alltägliche Bilderflut nicht ihren ideellen Wert als Kunstwerk? Museen und Ausstellungen versuchen jedenfalls, die Fotografie als einzigartige Kunstform zurückzubringen. So zeigt beispielsweise die feierlich eröffnete Ausstellung Österreich. Fotografie 1970 – 2000 Fotografien zum Thema Heimat, die den ursprünglichen Wert des Fotos wieder in den Mittelpunkt rücken. Schließlich waren Fotos früher eng mit dem Familienleben verbunden. Sie dokumentierten nicht nur die Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder; auch das Betrachten der Abzüge im Kreis der Familie glich einer Zeremonie. Und darauf sollte man sich auch im digitalen Zeitalter zurückbesinnen. Beim heutigen Erstellen eines Fotobuchs kann man sich nämlich den technischen Fortschritt zu Nutze machen und sich einfach online eine Prise Kindheit bestellen – ganz ohne mühsames Einkleben der Bilder.



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Gerhard Repp

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