Niederösterreich: Nigerianischer Menschenhändlerring aufgedeckt

Slide background
Symbolbild: Polizei
01 Mär 10:10 2017 von Gerhard Repp Print This Article


Wegen Verdacht auf

- Menschenhandel
- Grenzüberschreitender Prostitutionshandel
- Schlepperei
- Zuhälterei
- Kriminelle Vereinigung

wurde eine nigerianische Tätergruppe festgenommen.

Das Landeskriminalamt NÖ, Ermittlungsbereich Menschenhandel, führt seit geraumer Zeit umfangreiche Ermittlungen gegen eine nigerianische Tätergruppe, welche Frauen von Nigeria nach Österreich bringt, um diese folglich der Prostitution zuzuführen und dadurch ausbeutet.


Vorerst werden die Opfer, es handelt sich dabei um junge nigerianische Frauen aus ärmlichen Familienverhältnissen, von dieser Organisation in Nigeria durch Täuschung über Tatsachen, zumeist unter dem Vorwand sie könnten in Europa als Friseurinnen arbeiten, angeworben. In weitere Folge werden diese Frauen noch in Nigeria einem sogenannten ‚Juju‘ oder ‚Voodoo‘ Priester zugeführt, welcher sie durch spezielle ‚Voodoo Rituale‘ gefügig macht. Im Zuge dieser Rituale werden die Frauen schwer misshandelt. Die Opfer werden bewusst eingeschüchtert, sogar mit dem Tod bedroht, sollten sie den Anweisungen der Organisation nicht Folge leisten. Nachdem diese Rituale abgehalten wurden, werden die Frauen über Italien nach Europa, konkret nach Österreich gebracht. In Österreich angekommen, werden sie von einer sogenannten ‚Madame‘ empfangen, welche sie zur Ausübung der Prostitution zwingt. Sollten sich diese weigern, wird ihnen mit den Folgen der ‚Voodoo Prozedur‘ gedroht.


Überdies wird den Frauen von der ‚Madame‘ mitgeteilt, dass sie auf Grund des Transportes nach Österreich bis zu 50.000 Euro Schulden bei der Organisation hätten und dieses Geld durch Prostitution abzuarbeiten hätten. Die Frauen werden anschließend an Bordelle in ganz Österreich vermittelt. Sämtliches durch die Prostitution erwirtschaftetes Geld wird ihnen von der ‚Madame‘ abgenommen, sodass den Frauen zumeist kaum Geld für deren Lebensunterhalt bleibt. Die genannte Summe an Schulden wird lediglich als Veranschaulichung für die Opfer genannt, wobei es ihnen jedoch nicht möglich ist, diese Schulden tatsächlich zurückzubezahlen, da sie ständig mit weiteren finanziellen Belastungen konfrontiert werden.


Der Ermittlungsbereich Menschenhandel konnte nun mit Unterstützung der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität des Landeskriminalamtes NÖ im Februar 2017 auf Grund umfangreich geführter Ermittlungen 2 führende Mitglieder dieser Organisation ausforschen und schließlich auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien festnehmen. Im Zuge von ebenfalls durchgeführten Hausdurchsuchungen konnten belastende Beweismittel sichergestellt werden, welche auf zahlreiche weitere Opfer dieser Organisation schließen lassen. Bei den durchgeführten Opfereinvernahmen konnte ermittelt werden, welchen enormen psychischen und auch physischen Belastungen die Opfer dieser Organisation ausgesetzt waren. Eine gesicherte Unterbringung der Frauen im Sinne des Opferschutzes erwies sich folglich als unabdingbar.


Konkret handelt es sich bei den festgenommenen Tätern um eine 34-jährige nigerianische Frau, welche als ‚Madame‘ in Österreich fungierte und um einen 32-jährigen in Österreich beschäftigungslosen nigerianischen Mann, der gemeinsam mit der ‚Madame‘ für die Zuführung der Frauen zur Prostitution verantwortlich war. Beide Beschuldigte sind in Wien wohnhaft. Der Mann zeigte sich im Zuge seiner Einvernahme geständig, die ‚Madame‘ war nicht geständig. Den festgenommenen Beschuldigten wird Schlepperei, Menschenhandel, grenzüberschreitender Prostitutionshandel sowie Zuhälterei im Zuge einer kriminellen Vereinigung angelastet und sie befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.


Eine weitere nigerianische Frau, die Schwester dieser in Österreich befindlichen ‚Madame‘, war für die Anwerbung der Frauen in Nigeria und insbesondere für die Durchführung dieser ‚Voodoo- Prozeduren‘ zuständig. Diese Frau ist in Nigeria aufhältig und konnte bislang nicht ausgeforscht werden. Weitere Ermittlungen zu dieser Person werden vorangetrieben.


Seitens der ermittelnden Beamten des Landeskriminalamtes NÖ werden weitere umfangreiche Ermittlungen zu Mittätern und Hintermännern dieser Organisation geführt, welche demzufolge noch zahlreiche weitere Frauen auf die genannte Weise nach Europa gebracht haben.


Quelle: LPD Niederösterreich



Gerhard Repp

Chefredakteur

Chefredakteur von www.regionews.at.

Weitere Artikel von Gerhard Repp